Tendoryu Aikido Berlin - Die geheime Kunst des Hobelns

Die geheime Kunst des Hobelns


Die Verwendung eines Hobels beeinhaltet drei Arbeitsgänge: Grob-, Zwischen- und Feinarbeit. Bei der groben Bearbeitung stützt man den Körper ab, spannt den Unterleib an, lässt die Hüften unbeweglich und gibt gleichermassen verteilte Kraft in beide Hände. Nun kann man mit der groben Hobelarbeit beginnen. Kurz gesagt, man gibt Kraft in den gesamten Körper und kann sich deshalb nicht entspannen. Ohne den Einsatz aller Kraft kann man die grobe Hobelarbeit nicht ausführen.

 

Nun folgt der Zwischenarbeitsgang. Dieses Mal braucht man nicht seine gesamte Kraft einzusetzten. Unsere Hände kontrollieren ganz natürlich den zunehmenden und abnehmenden Druck des Hobels. Diese Ebene ist die Vorbereitung für den nächsten Schritt. Wenn jedoch die Kontinuität zwischen diesen beiden Arbeitsgängen unterbrochen wird, weil die Konzentration fehlt, wird die Arbeit nicht richtig ausgeführt.

 

Nun schreitet man von der Zwischen- zur Feinarbeit. Hierbei werden Unregelmässigkeiten von den vorhergehenden Arbeitsgängen geglättet und ausgeglichen. Wenn man beispielsweise an einer Säule arbeitet, muss man von oben nach unte mit einer durchgehenden Bewegung des Hobels vorgehen. Während man den Hobel von oben nach unten durchzieht, ist es ganz wesentlich, im Inneren ruhig und diszipliniert zu sein. Wenn unser Herz und und unser Geist nicht in Ordnung sind, tauchen überall Unregelmässigkeiten auf, und man kann die Arbeit nicht erfolgreich beenden. Richtige Kontrolle ist der Schlüssel.

 

Geist , Körper und Technik müssen in der gleichen Weise zusammenwirken. >Geist, Körper und Technik< entsprechen >Hobel, Zimmermann und Säule<. Wenn man glaubt, der Zimmermann leiste die Hobelarbeit, wozu braucht man dann einen Hobel? Glaubt man aber, der Hobel mache die Arbeit, wozu braucht man dann die Säule? Geist, Körper und Technik funktionieren zusammen auf ähnliche Weise wie der Hobel, der Zimmermann und die Säule; wenn wir diese wechselseitige Abhängigkeit nicht begreifen, können wir keine gute Säule herstellen, auch wenn wir geraume Zeit mit einem Hobel geübt haben. Um eine gute Säule herzustellen müssen wir zunächst die Grobarbeit üben. Wenn wir diesen Arbeitsgang einmal beherrschen, können auch die beiden folgenden Schritte gemeistert werden.

 

Feinarbeit ist die >geheime Technik<. Diese Technik ist nichts Besonderes. Letztendlich können wir Geist, Körper und Technik vergessen und gleichmässig weiterarbeiten, bis unser Werk vollendet ist. Wennn wir nicht mehr über das Beenden der Hobelarbeit und über die Technik oder irgenwas anderes nachdenken oder sprechen müssen, haben wir ein wunderbares Stadium erreicht. Es ist nutzlos danach zu fragen, wie man das erreichen kann - Feinarbeit kann man nur selbst lernen; sie kann niemals von einem anderen übernommen werden.

 

Yamaoka Tesshu, 1884


 
Druckversion Impressum Letzte Änderung:  24/08/07