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Aikido-Herbstlehrgang auf Izu / Japan – Teil 1

Der diesjährige Herbstlehrgang des Tendoryu Aikido Dojos in Tokyo, dem Tendokan, war ein Höhepunkt unserer Reise, und wir hatten schon von Deutschland aus fest zugesagt. In Japan waren dann die Vorbereitungen in vollem Gange, und alle Informationen erfolgten auch in Englisch. Das Investment betrug etwa 180,- Euro ohne Fahrtkosten, und beinhaltete zwei Übernachtungen (mit Frühstück und Abendessen), Dojo- und Onsenbenutzung und Lehrgangsgebühren.
 
Die Halbinsel Izu liegt südöstlich von Tokyo etwa 150 km entfernt, und Koreyuki-san, unser Fahrer, entschied sich für die malerische Küstenautobahn über Odawara, Atami nach Shimoda. Diese Autobahn führt direkt die Küste entlang, was beim Autofahren ein optischer Genuß war, für die Anwohner und die Gemütlichkeit der Badestrände wohl nicht. Die zahlreichen Mautstellen verteuerten den Fahrpreis erheblich, und nur in Gruppen ist das Autofahren ökonomisch.

In Odawara besichtigen wir noch kurz das Odawara Castle (wegen Renovierungsarbeiten nur von außen).
 
Auf unsere Fragen an drei verschiedene Personen bezüglich der restlichen Fahrzeit erhalten wir Antworten zwischen einer und vier Stunden! Anscheinend ist die Gegend noch weitgehend unerschlossen ...

Es waren nur knapp 1,5 Stunden, dann erreichten wir wie Commodore Perry um 1850 die Hafenstadt Shimoda auf Izu, wir allerdings von der Landseite, während Mr. Perry mit seiner Schwarzen Flotte von der Seeseite die Öffnung Japans nach 300-jähriger Isolation des Landes erzwang.

Klares Wasser (obwohl die ziemlich verschmutzte Tokyo Bucht nicht so fern ist), grüne Hügel und viel Wind erfrischten uns, und wir lenkten unsere Schritte in ein Spezialrestaurant für lokale Genüsse. Im Restaurant kamen wir schnell ins Gespräch mit zwei munteren Damen im knackigen Alter von 80 Jahren (? Japanerinnen), die mit ihrem Auto durch die Gegend kurvten. Die Damen schwärmten von gemeinsamen (Japan – Deutschland) Erinnerungen und Erlebnissen aus längst vergangener Zeit, wünschten sich Christian als gutaussehenden Sohn und verglichen mich mit Oliver Kahn (ach ja). Die freundliche Einladung in ihr Haus mußten wir leider ablehnen ... wir fühlten uns den Damen nicht gewachsen.

Irgendwie hatten wir Herzogenhorn/Schwarzwaldgefühle – wenn nicht die vielen Mikan-Bäume (Mandarinen) gewesen wären. Durch dichten Wald kurvten wir etwa 500m aufwärts. Die Anlage ist noch im Erweiterungszustand, schon jetzt gibt es drei Komplexe, oben das Hauptgebäude mit Luxuszimmern und das riesige Dojo, auf halber Höhe die Restauranträume und die Hauptbäder (innen und außen) und unten dann die übrigen (Gruppen)zimmer und weitere Bäder (auch innen und außen). In einigen Zimmern befanden sich ebenfalls kleinere Privat-Onsen.

Wir nächtigen anfangs zu viert, dann zu fünft in etwas kleineren Zimmern, allerdings waren es zwei Zimmer mit Vorraum, Bad und zwei Waschgelegenheiten. Natürlich gab es wie in allen (!) japanischen Hotels oder Herbergen Seife, Zahnbürsten, Haarwaschmittel, Yukata (leichten Kimono), eine warme Kimonojacke (die ist nicht immer üblich) und Teekanne, Tee und Gebäck.

Freitag

Nach der Ankunft sprangen die meisten gleich in eines der etwa 40 Grad heißen Bäder, selbstverständlich nach vorherigem sorgfältigem Abseifen außerhalb des riesigen Bades, dessen Dachkonstruktion aus schweren Holzbalken bestand. Mit wenigen Schritten war der Badegast dann draußen im Außenbad, mollig warm (von oben kühlte ein leichter Regen). So konnten wir uns bei internationaler Konversation (Japaner, Deutsche, Serben, Amerikaner bildeten das bunte Völkergemisch) entspannen.

Erfrischt zogen wir uns die Dogis an und stiegen den steinigen Weg zum obersten Gebäude ins riesige Dojo mit 400-500 qm Mattenfläche. Alle vier Seiten bestanden aus Fenstern und gaben den Blick auf die überwältigende Berglandschaft frei. Die Matten wurden nach Jahrzehnen das erste Mal benutzt, und da sie aus gepreßtem Stroh bestanden, waren sie betonhart; schon das Abknieen war unangenehm. Shimizu Sensei zeigt daher auch nur einfache Techniken aus dem Stand, und die etwa 50 Teilnehmer waren erleichtert.

Nach dem Training tauchten wir wieder in eines der Onsen (unten gab es ein eigenes für die Mannschaften, aber auch das war noch relativ groß). Und dann zum Essen. An langen Bänken versammelten wir uns im Schneider- oder Kniesitz und bestaunten die bereits aufgebauten Köstlichkeiten. Etwa 15 verschiedene Tellerchen und Töpchen fingen unsere hungrigen Blicke, Reis gab es in Mengen aus unerschöpflichen Reistöpfen und zum Schluß noch ein Süppchen. Da auch Bier und Wein reichlich flossen, röteten sich schnell die Gesichter.

Den kulturellen Höhepunkt dieses Abends bildete eine kurze Ansprache von Watanabe Sensei mit anschließender Vorstellung der anwesenden Ausländer, d.h. Aufstehen, kurze Ansprache (die von Henry de la Trobe übersetzt wurde), Applaus und dann der nächste. Nur Peter mußte wieder einmal aus der Reihe fallen und Japanisch parlieren ...

Wie schläft es sich zu viert oder fünft in einem Zimmer? Nun ja, besser als zu sechst, das gab es auch. Leider befanden sich in unserem Zimmer zwei Sofort-nach-dem-Umfallen-Dauerschnarcher und einen Gelegenheitsschnarcher. Ich bin immer noch der Meinung, daß ich der einzige Nichtschnarcher war, doch am Morgen klagten alle über die anderen Schnarcher. Trotz Papiertrennwand (hier die Deutschen, dort die Japaner) war also, gerade weil die Außenwelt ganz anders als in Tokyo oder anderen Städten absolut still war, an Schlafen nicht zu denken. Eckhardt aus Hamburg lachte am nächsten Tag nur und wies auf seine seit langen Jahren zum Standardgepäck gehörenden Ohrenstöpsel (Mimisen) hin. Nächstes Mal habe ich die auch, und wecken muß dann ein anderer im Zimmer ...

(Fortsetzung folgt)

C & P