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Die Stimme einer Schülerin

Kawaraban Nr. 83

01/2011

von Sachiko Kodama (Mitglied seit Juli 2010)

Der Grund für mein zufälliges Treffen auf den Tendokan war ein Poster, das auf dem Bahnhof in Sangenjaya hing.

Vor einiger Zeit gab mir mein Vorgesetzter den Ratschlag: „Du unterstützt mit Deiner Arbeit das Management, daher solltest Du zu mehr Selbstkontrolle eine Budo-Kunst wie z.B. Aikido erlernen“ , aber da ich sehr beschäftigt war, hatte ich das erst einmal aufgeschoben. An irgendeinem Tag fiel mir dann auf dem Heimweg das Poster vom Tendokan ins Auge. „Ach, wenn ein Dojo so in der Nähe liegt, sollte ich vielleicht einmal dort einmal vorbeischauen“. Anfangs habe ich das so oberflächlich gesehen.

Auf dem Trainingsplan, den ich bei meinem ersten Besuch erhalten hatte, stach mir das Morgentraining ins Auge. Am Abend kann ich mir wegen meiner Arbeitsbedingungen nur schwer Zeit nehmen, aber am Morgen konnte ich es leicht einrichten, denn da ich die Angewohnheit habe, genau um 4:30 Uhr aufzustehen, war das eine perfekte Gelegenheit für mich. So war auf diese Weise der Grund für meinen Eintritt rein zufälliger Natur, aber heute fühle ich, daß es wohl ein notwendiges Zusammentreffen war.

Ich bin im Juli 2010 eingetreten, das ist jetzt gerade ein halbes Jahr her, und zum jetzigen Zeitpunkt ist Aikido für mich notwendig und unerlässlich geworden, und zwar in einem Maße, wie ich es mir vorher nicht hätte vorstellen können.

Zu Beginn habe ich das Buch ‚Zen und Aikido’ gelesen, das ich beim Eintritt erhielt, und da ich selbst Zen erlerne, konnte ich mich ausgesprochen gut hineinfühlen. „Der Begriff Aiki im Wort Aikido bedeutet die Harmonie des eigenen Ki oder der eigenen Lebensenergie nicht nur mit einem Partner sondern mit allen Lebewesen des Universums. Diese Harmonie führt zur Erkenntnis des Flusses des eigenen individuellen Ki als Teil des Flusses des Ki des Universums.“ Als ich das las, schoß mir spontan der Gedanke „Das ist es!“ wie eine rote Leitlinie durch den Kopf.

Außerdem war ich zuvor mit einigen anderen Budo-Künsten in Berührung gekommen, aber es war das erste Mal, daß ich auf ein Budo ohne Wettkampf und Kampfaktivitäten gestoßen bin. Anfangs hatte ich bei einem ‚Budo ohne Kampf’ seltsame Gefühle, aber in jenem Buch stand „der Kampf gegen sein eigenes Selbst wird zu einem fortwährenden Kampf“, und in mir entstand der Wunsch, die Tiefe des Aikido zu ergründen. Ich las den Satz, daß „wenn man drei Jahre lang dreimal pro Woche trainiert, man auf natürliche Weise zur Meisterschaft gelangt“, und so entschloß ich mich, auf jeden Fall mindestens dreimal pro Woche ins Training zu gehen.

Und was ich noch erwähnen sollte, es war natürlich nicht allein das Buch, das mich bis hier gebracht hatte, denke ich. Am wichtigsten waren zuallererst Shimizu Sensei und die anderen Lehrer, sowie die Warmherzigkeit aller Schüler. Wenn man sich unter Menschen befindet, die alle schon lange trainieren, fühlt man sich gewöhnlich ein wenig unwohl und fremd als Neuling beim Eintritt, aber hier hatte ich dieses Gefühl überhaupt nicht. Alle waren sehr freundlich, halfen mir ernsthaft, und ich hatte das Gefühl, daß sie mich als Anfänger herzlich aufgenommen haben. Aber gleichzeitig gefällt mir – im positivem Sinne - die Spannung beim Training ausgesprochen gut.

Ein weiterer Grund für meine Faszination ist, daß sich über das Körpergefühl die verschiedensten Erfahrungen ergeben. Wenn sich der Körper bewegt, während ich im Kopf über die Techniken nachdenke, bin ich völlig unbeholfen, aber wenn ich den Partner fühle und auch nur ein wenig Gefühl für die Bewegung aufbringen kann, bewegt sich der Körper flexibel. Dieser Unterschied im Körpergefühl macht ausgesprochen glücklich. Aber auch wenn ich denke „Ich habe das Gefühl ein wenig begriffen!“, ist es häufig so, das nach einem Wechsel des Partners alles wieder nicht mehr geht. Ich lerne die Wichtigkeit, sich immer augenblicklich auf einen neuen Partner einstellen zu müssen. Das Gefühl für den Partner, augenblicklich handeln, das sind Dinge, die sicherlich auch die gleichen sind wie bei meiner Arbeit im ‚Coaching’. Ich fühle, daß ich durch das Aikido-Training veranlasst werde, über Kommunikation nachzudenken, mich mit meinen täglichen Gewohnheiten auseinanderzusetzen, und daß ich neben dem Schwitzen auch viele Dinge erlerne.

Und noch etwas, ich stehe im Aikido noch an der Eingangspforte. Ich glaube, daß ich von nun an noch viele Berggipfel überwinden muß, und ich möchte dem Training und meinem Leben mehr Tiefe und Bedeutung geben. Und ich möchte von Herzen gerne den Menschen an meiner Arbeitsstelle noch mehr zum Erfolg verhelfen. Ich bin noch sehr unerfahren im Aikido und im Umgang mit Menschen, bitte helfen Sie mir daher für alle Zeiten auch weiterhin. Dieses Zusammentreffen war kein Zufall, und ich bin von Herzen dafür dankbar!

(Dezember 2010)

© übersetzt von Tendoryu Aikido Berlin 03/2011