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Gegen die Trägheit

Kawaraban Nr. 84

06/2011

Tendokan Trainer Koichi Watanabe

Weil ich öfter gefragt werde, was ich beim Unterrichten von Schülern sage, die gerade in den Tendokan eingetreten sind, möchte ich dazu die folgenden drei Aussagen erläutern.

  1. Sich unter den vielen existierenden Dojos für den Tendokan zu entscheiden, war die beste Wahl.
  2. Kontinuierliches Training ist gut für die Gesundheit von Körper und Geist, und dadurch wird man stark.
  3. Wenn man kontinuierlich trainiert, wird man die Prinzipien ‚Kraft der Vorahnung’, ‚Bereitschaft des Herzens/Geistes’ schätzen lernen.

Ich wünsche mir, daß die oben genannten Aussagen Sie ansprechen. Nun wollen wir uns diese drei Punkte etwas genauer ansehen.

Zu Punkt 1:

Heute vor 25 Jahren (25. Oktober, Showa 61, also 1986) wurde der Tendokan zum zweiten Freundschafts-Enbukai (Demonstration) eingeladen, das vom Magazin ‚Aiki News’ (heute umbenannt auf ‚Do’) organisiert wurde, und Shimizu Kenji Sensei zeigte dort eine vorbildliche Aikido-Demonstration. Die damals eingeladenen Vorführenden waren der Leiter des Youseikan Mochizuki Minoru Sensei (er war einer der Schüler, die vom Begründer des Judo, Kanou Jigoro Sensei, zum Studium zum Begründer des Aikido, Ueshiba Morihei Sensei, geschickt worden waren), der Leiter des Yushinkan Sugino Dojo, Sugino Yoshio Sensei (er war der beste Schüler von O-Sensei Ueshiba aus der Gruppe der Meister der Katori Shintouryu des gesamten Bujutsu), der Direktor der Osamu Koudate, Shioda Gouzou Sensei, und der Dojo-Leiter des Aikikai Ibaraki Dojos, Saitou Morihiro Sensei. Und unter diesen vielen bekannten Größen, die zu jener Zeit die höheste Autorität in ihrem jeweiligen Gebiet waren, war Shimizu Sensei der jüngste Aikidoka, der an der Vorführung teilnahm. Als ich mich als Assistent von Shimizu Sensei im Warteraum aufhielt, wurde ich, vermutlich weil zufällig keine anderen Leute im Raum waren, von Sugino Sensei, den ich überhaupt nicht kannte, mit freundlicher Stimme angesprochen,.

“Wer ist denn Ihr Lehrer?”

“Ich bin der Schüler von Shimizu Sensei.“

“Ach so, da lernen Sie ja bei einem sehr guten Lehrers, nicht wahr.“

Ich war sehr erfreut über diese Worte von Sugino Sensei, und ich verstand nun, daß Shimizu Sensei sich großer Wertschätzung erfreute bei jemandem, der der beste Schüler von O-Sensei Ueshiba war und auch als Budoka am Gipfelpunkt stand, und deswegen habe ich wieder einmal gedacht, wie gut es doch gewesen war, dem Tendokan beizutreten. Meine Absicht ist es, auch Ihnen allen diese tiefen, erfreulichen Gefühle zu vermitteln.

Zu Punkt 2:

Mein Körper war von Natur aus nicht so kräftig, daher verbrachte ich viel Zeit mit dem Gedanken, daß ich irgendetwas tun müßte. Im Sommer meines 25. Lebensjahres beschloß ich, in den Tendokan einzutreten. Unter der Leitung von Shimizu Sensei und vielen anderen Trainern wurde meine Körperkraft verbessert, und auch die Vitalität wurde gestärkt (Sie werden verstehen, daß das natürlich nur eine Selbsteinschätzung ist). Da es vielfältige Synergieen zwischen ‚Herz/Geist’ und ‚Körper’ gibt, regen Verbesserungen auf der einen Seite die andere Seite an und verbessern sie, und diese Verbesserung wirkt wieder zurück und übt einen positiver Einfluß aus. Deshalb denke ich, daß wenn man nur ‚Körperstärke’ möchte, es wohl gut, ein Sport-Center oder ein Fir\tnesszentrum aufzusuchen und ‚allein in der Gesellschaft’ zu trainieren.

Aber auch wenn man ‘die geistige Stärke bzw. dieStärke des Herzens’ ‚allein in der Welt’ trainieren möchte, ist das Training der geistigen Stärke nicht doch irgendwie begrenzt? Worin liegt das begründet? Wenn man auf dieser Erde als einziger Mensch überleben würde, ist dann ‚Herz bzw. Geist’ erforderlich? Man ist dann ausschließlich damit beschäftigt, sich irgendwie zu ernähren, sich vor den Angriffen wilder Tiere zu schützen, glühender Hitze und Stürmen zu trotzen. Mit anderen Worten, die Existenz von ‚ Herz bzw. Geist’ bekommt erst dann eine Bedeutung, wenn es andere Menschen gibt.

Daher ist ein Training erst dann möglich, wenn sich unter Menschen begibt und sich außerdem für andere Menschen einsetzt. Ich finde es wunderbar, wenn man versteht, daß man zwar anfänglich ‚für sich selbst’ trainiert hat, aber daraus dann, bevor man es eigentlich bemerkt, doch auch ein Training ‚für andere’ geworden ist.

Zu Punkt 3:

Ich denke, daß Budo „eine Kunst ist, die man trainiert, um in gefährlichen Situationen überleben zu können“. Was dafür erforderlich ist, erklärt Shimizu Sensei oft mit ‚der Fähigkeit, vorauszuschauen’ und ‚ein Herz in Bereitschaft, bzw. ein wacher Geist’, und um dieses zu erreichen, ist ein ernsthaftes und kontinuierliches Training erforderlich. Beim Wiederholen von Techniken im Training ist es leicht möglich, in die Falle der Trägheit zu laufen, und verstehen Sie, wer derjenige ist, der ganz sicher nicht in diese Falle läuft? Die Antwort ist: der Anfänger. Und das ist einer der Gründe, warum wir beim Training mit Anfängern Fortschritte machen.

Ich möchte gern den Fortgeschrittenen, die bereits die Stufe ‚des Anfängers’ überschritten haben, sagen, daß es nicht notwendig ist, Anfänger ständig intensiv zu belehren. Es ist sinnvoller, wenn Sie sich von der ernsthaften Haltung der Anfänger positiv beeinflussen lassen und zusammen mit ihm ganz normal trainieren. Die Erfahrungen, die bei diesem wiederholten Training gewonnen werden, ermöglicht denjenigen, die schon die Stufe ‚des Anfängers’ überschritten haben, einen weiteren Schritt, um stärken und besser zu werden. Dieser weitere Schritt beinhaltet ‚Gelassenheit’, ‚Selbstvertrauen’ usw.. Wer sich diese Fähigkeiten aneignet, kann besser mit anderen Menschen umgehen bzw. die Umgebung wahrnehmen, und darüber hinaus ist damit die Fähigkeit verbunden, zukünftige Ereignisse vorzeitig erahnen zu können.

Liebe Anfänger, lassen Sie uns ein dreimonatiges Training probieren. Wenn das erfolgreich war ... lassen Sie uns eine dreijährige Herausforderung annehmen. Und lassen Sie sich bei diesem kontinuierlichen Training von uns helfen.

© übersetzt von Ichiro Murataund/ Peter Nawrot, 07/2011