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Plötzliche Veränderung der Lebenseinstellung

Kawaraban Nr. 84

06/2011

Tendokan Trainer Koutarou Nagai

“Nagai, es ist falsch, nur zur eigenen Zufriedenheit zu unterrichten!“ „Du unterrichtest alle nach einem festen Muster!“

Das sind die Worte, die ich während meiner Uchi-Deshi Zeit häufig von Shimizu Sensei zu hören bekam (Schweißausbruch!). Darüberhinaus gab es auch noch viele andere Themen ... . Wenn ich heute darüber nachdenke, war mein Training einseitig und ‚stereotyp’. Nun, ich hatte ich zu jener Zeit ‚die Absicht’, darüber nachzudenken. Man kann sagen, ich wollte es verstehen.

Bis ich begann, diese Worte mit meinen Gefühlen in Einklang zu bringen, sind nun etwa 10 Jahre vergangen (tja, das hat lange gedauert !). In dieser Zeit habe ich geheiratet, die Kinder wurden geboren, auch meine Lebensumstände haben sich verändert, und ich erinnere mich, daß dadurch meine Einstellung zum Aikido, das ich in den vielen vergangenen Jahren kontinuierlich betrieben habe, irgendwie verändert wurde. Das war in mir selbst etwas völlig Neues, und irgendwie wurde es mir möglich, Aikido mit einem neuen Gefühl zu sehen. Das bedeutet, ich hatte nach und nach nicht nur begrenzt auf Aikido sondern auch zu allen anderen Dingen eine neue, frische Einstellung (Interesse). Es war ein Gefühl, als ob sich die Fußspuren meines bisherigen Trainings nun auf einer roten Linie fortsetzen würden.

Ich denke, daß ich mit meinem bisherigen Selbst nur in einem vom Selbst gesteckten Rahmen trainiert hatte. Ich hing an meinen früheren Gewohnheiten (engstirnig), und habe mich davon befreit. Um das Selbst zu ändern, ist es erforderlich, die gesamte Einstellung zu verändern. Es ist durchaus möglich, daß das neue Selbst vielleicht völlig anders ist als das bisherige Selbst. Gewöhnlich ist es möglich, das alte Selbst abzuwerfen, aber nur wenn man den Mut (zur Entscheidung) zur Änderung seines Verhaltens hat. Wenn man das tut, wird ein neues (erfrischendes) Gefühl wieder ins Leben gerufen (könnte man dazu kindlichen oder unbefleckten Geist sagen?). Es entsteht eine neue Einstellung (Geist), mit der man alle Dinge ernsthaft mit einem demütigen Herzen betrachtet. Dadurch zeigt sich nach und nach ein positives Verhalten, und das Training des Selbst belebt mit Sicherheit von Anfang an sowohl das eigene Privatleben als auch das Arbeitsleben.

“Körperkraft ist begrenzt, das Ki ist unendlich! Laßt uns die Ki-Kraft entwickeln!“ sind die häufig geãußerten Worte von Shimizu Sensei. Prägen wir uns diese Worte ein, fangen wir zunächst mit dem an, was in unseren Möglichkeiten liegt, und entwickeln wir dadurch unsere eigene Persönlichkeit.

© übersetzt von Ichiro Murata und Peter Nawrot, 07/2011