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Herr Dr. Takahashi vom ‚Shiono’ in Akasaka

Off Time Nr. 2

von Kenta Shimizu

Wir waren in der glücklichen Lage, ein Interview mit Herrn Dr. Takahashi, dem Inhaber eines der besten unter den stadtbekannten Läden für japanische Süßigkeiten (wagashi) namens ‚Shiono’ in Tokyo, zu erhalten. „Sowohl beim Zubereiten der Süßigkeiten als auch beim Aikido wird das Zentrum des Körpers eingesetzt!“ In der Tat haben wir viele Dinge sowohl über Süßigkeiten als auch über Aikido erzählt bekommen.

Sie sollen, bevor Sie in den Tendokan eingetreten sind, Aikido betrieben haben, und wir wollen mit der Frage beginnen, auf welche Weise Sie, Herr Takahashi, zum ersten Mal mit Aikido in Berührung gekommen sind?

Takahashi (in gekürzter Form):

Weil ich klein von Gestalt war, hatte ich ganz natürlich ein Interesse am Budo. Anfangs habe ich während meiner Studentenzeit nur ein wenig trainiert, und ich bin dann danach auch gelegentlich in ein Dojo in der Stadt gegangen, aber da ich in zwei Jahren regelmäßigen Trainings nicht allzu viel verstanden habe und die Arbeit mich immer mehr in Anspruch nahm, habe ich dann schließlich aufgehört.

Und wie haben Sie vom Tendokan erfahren?

In Wahrheit ging einer meiner Angestellten zum Aikido-Training, und als ich erfuhr, daß es in Sangenjaya ein Dojo gibt, habe ich mich entschieden, zunächst einmal zuzuschauen. Weil ich in meinem Alter das Gefühl hatte, daß ich wieder mit irgendetwas beginnen sollte und weil ich keine Schwierigkeiten mit dem Aikido, das ich bereits früher betrieben hatte, haben sollte, dachte ich, daß dieses eine gute Gelegenheit wäre, nicht wahr. Ich habe zugeschaut und mich dann nach einer Woche des Überlegens entschlossen, um Unterweisung zu bitten. Zu meiner Überraschung ergab es sich, daß meine Tochter sagte „Das möchte ich machen“, als ich meiner Familie das Video von Shimizu Sensei zeigte. Einen Monat, nachdem ich Mitglied geworden war, durfte auch meine Tochter eintreten, und zur Zeit sind in der Familie Gespräche über Aikido wirklich häufig geworden.

Gibt es irgendetwas, was Sie durch Aikido erlangt, bzw. gelernt haben?

Das ist eine Sache, die ich mittlerweile ganz genau beurteilen kann. Ein Resultat ist, denke ich, daß ich in positiver Bedeutung Mut und Charakterfestigkeit erlangt habe. In meinem Geschäft gibt es wirklich häufig Situationen, in denen ich deutlich sagen muß, daß gute Dinge gut sind und daß schlechte Dinge schlecht sind.

Tja, nun zu einem anderen Thema. Warum glauben Sie, Fortschritte auf dem Wege der Herstellung von Süßigkeiten erzielt zu haben?

Weil ich mein Geschäft vor Gefahren bewahren konnte, nicht wahr? Mein Vater in der Reihe meiner Vorfahren war ein sehr strenger Mensch. Er war jemand, der schnell die Hand erhob, wenn er ärgerlich wurde, und ich lernte das Herstellen von Süßigkeiten, während ich ständig ermahnt wurde, daß ich etwas falsch gemacht habe. Auf diese Weise hatte ich, auch wenn mich mein strenger Vater zurückstieß, das intensive Gefühl, daß ich das auf irgendeine Art und Weise überstehen wollte. Nun ja, als die Eltern starben, war ich wirklich traurig, was sich leicht sagen läßt, aber es war in der Tat so. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, hätte ich mir gewünscht, noch mehr von meines Vaters Einstellung zur Arbeit gelernt zu haben.

Und gab es eine zweite Herausforderung dieser Art?

Die älteren Angestellten, die seit der Zeit meines Vaters im Geschäft arbeiten, nehmen kein Blatt vor den Mund. Dieses geht nicht, jenes ist nicht möglich. Ich werde ärgerlich und gerate in Wut, aber da es ältere Angestellte sind, kann ich natürlich nichts sagen. Und wenn ich es dann tatsächlich selber machen will, kann ich das natürlich nicht. So konnte das nicht gehen, dachte ich bei mir, und im Gegenteil wurden diese Situationen auch zu einem motivierenden Faktor. So studierte ich verschiedene Dinge im Selbststudium, und ich erlangte den ersten Grad der Lizenz zur Herstellung von Süßigkeiten, die staatlicherseits angeboten wird. Seit dem Tode meines Vaters bin ich wirklich einen dornigen Weg gegangen. Auch wenn das Management nicht reibungslos lief, gab es Zeiten der Sorge. Zu diesen Zeiten habe ich dann meiner Familie Unannehmlichkeiten bereitet.

Gibt es bei der Arbeit auch immer bestimmte Ziele?

Um unseren Ruf auch weiterhin zu wahren, möchte ich erstklassige Arbeit leisten. Sollte man nicht außerdem jedem einzelnen Kunden die gleiche Aufmerksamkeit widmen? Es erfreut mich nach wie vor mehr als alles andere, wenn ich „Das schmeckt aber gut!“ zu hören bekomme. Neulich konnte ich im Geschäft Eltern beobachten, die in Begleitung eines kleinen Kindes waren. Der Junge hatte offensichtlich ein großes Interesse an Süßigkeiten, starrte wie gebannt auf die Süßigkeiten, die in Gläsern aufgereiht im Regal standen, und seine Augen leuchteten. Ich gab ihm grünen Tee und eine kleine Süßigkeit, und während er mit beiden Händen den Mund vollstopfte, hörte ich „Ist das gut, ist das gut“. „Meine Dame, das sind aber sehr teure Süßigkeiten“ mußte ich zu meinem Bedauern sagen (mit einem Lachen). Und was außerdem dem Normalfall in anderer Bedeutung betrifft, so waren dieses die Süßigkeiten unseres Hauses, die Ihre Majestät, die Kaiserin, sowie die Herrschaften des kaiserlichen Hauses am liebsten mochten, und ich empfand es als außerordentlich ermutigend, als ich diese lobenden Worte gehört habe.

Deshalb also! Das muß ja ganz schön anstrengend sein ...

Nein, nein. Es kommen tatsächlich häufig Fehler vor. Die Kunden tadeln mich, und wer weiß wie oft muß ich auch Ersatz liefern.

Was bedeutet ‚erste Klasse’, das zu Ihrem Leitgedanken geworden ist, und zwar nicht nur bezogen auf die Herstellung von Süßigkeiten?

Ist es nicht so, daß ich mich voll für mein Geschäft verantwortlich fühle?

Gibt es auch Mittel zur Entspannung?

Nun ja, wenn am 31.12. die anstrengende Arbeit zuende ist, ist es dann nicht das schönste, wenn man in das heiße Bad steigt? Außerdem ist es der Tendokan Lehrgang bei den heißen Quellen. Das gefällt mir sehr gut, ich freue mich immer wieder, wenn ich zusammen mit allen Schülern des Tendokan angenehme Stunden verbringen kann. Diees Jahr habe ich wohl bedauerlicherweise ein wenig zu viel getrunken (Lachen).

Es ist ja eine ganz normale Sache, wenn die tägliche Arbeit beendet ist, sitze ich zusammen mit meiner Familie beim Essen, und wir lachen viel. Und auch Aikido ist ein häufiges Gesprächsthema.

Gibt es bei der Herstellung von Süßigkeiten und beim Aikido Gemeinsamkeiten?

Technisch gesprochen bewahrt man natürlich das Zentrum. Ich weise meine Angestellten deutlich darauf hin. Und ich sage ihnern, daß sie ohne verspannte Schultern, mit aufrechtem Rücken und aus dem Körperzentrum heraus Süßigkeiten herstellen sollen.

So ist das also. Es handelt sich hier wohl um Omanju (japanischer Kuchen mit Bohnenmus darin) (Lachen)?

So ist es! So ist es!

Nun ja, Herr Takahashi, können Sie uns noch sagen, was Sie in Zukunft im Aikido erreichen wollen?

Zuallererst möchte ich ein gutes Beispiel für die jungen Leute werden. Weil man im Tendokan nun häufig Ausländer antreffen kann, möchte ich mir außerdem die Merkmale der Techniken sowie die Merkmale der geistigen Einstellung gründlich und sicher aneignen, um nicht als Japaner verlegen zu werden.

Nun zum Schluß bitte noch eine Mitteilung an alle diejenigen, die sich mit dem Gedanken tragen, demnächst mit Aikido anzufangen.

Wenn man gute junge Menschen finden möchte, kann ich nun schließlich Aikido empfehlen, und wenn es Menschen sind, die lernen wollen, eine Überzeugung herauszubilden, so sollten sie Aikido studieren. Nicht an schlechten Dingen hängen, wer ein Mensch mit lebendigem Selbst werden möchte, im Aikido liegt die Kraft, um das zu erreichen, wie ich meine.

(Direktor von ‚Shiono’)

www.siono.jp

© übersetzt von Peter Nawrot 12/2005

 

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