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Das Erbe der Japaner

Kawaraban Nr. 83

01/2011

vom Leiter des Tendokan, Kenji Shimizu

In der Zeitung Sankei wurde Folgendes berichtet:

"In den letzten Tagen der Sengoku-Zeit (Zeit der Bürgerkriege, 1467-1573) gab es zwei italienische Jesuitenpriester, die nach Japan kamen und denen eine Audienz bei Oda Nobunaga (1543-82) und Toyotomi Hideyoshi gewährt worden war.  Der eine war Gnecchi‐Soldo Organtino (1533-1609), der den Nanbanji (Tempel) erbaut hatte, und der andere war Alessandro Valignano (1539- 1606), der der Gründer der Tenshou Jugendmission war und eine Inspektionsreise in Japan machte. Beide Priester haben einen an den Präsidenten der Jesuitischen Gesellschaft adressierten Brief im Buch mit dem Titel Nihon Junsatsuki (Inspektionsreise in Japan) hinterlassen.

Organtino sagt darin: „Wir können auf beiden Seiten, im Osten wie im Westen,  Weisheit erkennen, aber wenn wir uns mit ihnen (den Japanern) vergleichen, wirken wir doch sehr barbarisch, denke ich.“ Valignano sagt: „Auch bei den einfachen Menschen und Arbeitern ist diese Gesellschaft (japanische Gesellschaft) durch die Erziehung mit Reisetsu (Höflichkeit und Disziplin) gekennzeichnet, die wir bewundern sollten, und die zu kultiviertem Verhalten führt --- (Text ausgelassen ) --- und auch in den unteren Gesellschaftsschichten sehen wir nicht die geringe Fähigkeit der Europäer zu sozialem Verhalten, und im allgemeinen zeigen alle Menschen in Japan ein hervorragendes gegenseitiges Verständnis.“

  Die hohe Einschätzung der sozialen Eigenschaften des japanischen Volkes ist in den Anmerkungen von Organtino und Valignano gleichermassen zu finden. Ich bin mir sicher, daß sowohl die schnelle Modernisierung nach der Meiji Renovation als auch der hervorragende wirtschaftliche Aufschwung nach dem zweiten Weltkrieg unmöglich zu realisieren gewesen wäre ohne das entsprechende sogenannte DNA Niveau der betroffenen Menschen. --- der ehemalige Präsident der Staatsanwaltschaft Keiichi Tadaki."

Man kann sich vorstellen, daß sich die Lebensweise der japanischen Bevölkerung zur Sengoku-Zeit, die von anderen Ländern derartige Komplimente erhielt, von unserer heutigen Lebensweise stark unterschieden hatte. Ich bin mir sicher, daß die anderen Länder die japanische Nation für nobel hielten, weil sie auch keine Angst davor hatten, ihr Leben für das Land zu geben.

Ich denke, daß im Gegenteil sogar Ostasien heutzutage nicht viel vom japanischen Gesellschaftsmodell hält. Meiner Ansicht nach haben die Menschen in den Entwicklungsländern auch in Bugei (Budo-Kunst), wie z.B. im Sumo (Anmerkung des Übersetzer: im Sumo spielen heutzutage Sumo-Ringer aus der Mongolei, Estland, Bulgarien und Georgien eine aktive Rolle) ein mehr zielorientiertes Bewußtsein als die Japaner, sie sind standhaft und sie erreichen etwas im Leben.

Die hervorragende japanische Kutur, die uns von den Ahnen überliefert wurde, wird nicht ausgelöscht; zum Beispiel allein der Verhaltenskodex der Japaner ist ein hervorragendes Merkmal der japanischen Kultur, die zum Inhalt hat, das Selbst zu kontrollieren und den Menschen zu achten.

Aber die Heftigkeit der Veränderung dieses  Zeitalters hat dazu geführt, daß die Menschen mehr und mehr gefühllos werden. Wenn nur dem Kopf, der sich auf die Bequemlichkeiten der Zivilisation wie z.B. dem Handy eingestellt hat, Bedeutung beigemessen und der Körper vernachlässigt wird, erreicht die von den Nerven übertragene Information nicht die Extremitäten, der Kopf läuft leer, und der Körper verhält sich selbstsüchtig.

Wenn die Nerven nicht jeden Teil des Körpers erreichen, geraten Körper und Geist aus dem Gleichgewicht, und darüber hinaus werden die menschlichen Beziehungen und die Harmonie mit der Natur erschwert.

Zwar kann es schwierig sein, uns der geistigen Disziplin der Sengoku-Zeit zu unterziehen, aber wir sollten in Gelassenheit nach Freiheit und Ordnung streben.

© übersetzt von Tendoryu Aikido Berlin 02/2011