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Das Prinzip des Aikido Trainings

Kawaraban Nr. 87

05/2012

vom Leiter des Tendokan, Kenji Shimizu Sensei

Heute möchte ich über das Aikido Training sprechen.

In den letzten Jahren ist Aikido in weiten Teilen der Welt bekannt geworden. Auch wenn Aikido eine seit langem überlieferte Budo Kunst ist, so ist das Prinzip beim Training nicht die Auseinandersetzung, sondern es ist ein Training, bei dem im Wechsel die Techniken wiederholt, verbessert und verfeinert werden; außerdem entstehen im Aikido durch intensives Training starke Zerstörungskräfte, da es sich um eine Kunst des Bujutsu handelt.

Es gibt jedoch keinen Wettkampf, und daher kann beim Training Selbstzufriedenheit entstehen, und es besteht weiterhin die Gefahr des sogenannten ‚mechanischen’ Trainierens. Im Laufe des Trainings passiert es ganz natürlich, dass sich Gewohnheiten zeigen und die Aufmerksamkeit nachlässt, und es ist leicht möglich, dass es dann keinen Fortschritt mehr gibt.

Nun macht wohl jeder die Erfahrung, dass man die Einstellung vergisst, die man beim ersten Mal beim Training im Dojo hatte, man kommt ins Dojo und trainiert ohne festes Ziel, aber das führt ohne Zweifel weder gesundheitlich noch bei den Techniken zu irgendeinem Fortschritt, und man kann dann auch sicherlich nicht erwarten, dass der Geist gestärkt wird.

Es geht beim Training nicht nur darum, die Formen zu wiederholen, sondern man muss mit voller Aufmerksamkeit trainieren und das Ki aktivieren. Warum haben wir einmal selbst mit dem Training begonnen und was hatten wir für Ziele? Und nur wenn wir den Anfängergeist nicht vergessen, entsteht ein Aikido mit hervorragenden Fortschritten.

Ich denke, dass jedenfalls gerade wir Japaner die kulturelle Tendenz haben, nur an Formen festzuhalten. Und sicherlich existiert auch die Einstellung, die eigene Sicherheit zu erkaufen, indem man sich an Formen hält. Aber erscheinen wir Japaner damit nicht aus der Sicht des Auslandes wie eine ängstliche Rasse, die von Formen und Gruppen abhängig ist, und die sich in ihrem Verhalten von ihren Vorfahren unterscheidet?

Das menschliche Leben ist immer ein Kampf mit sich selbst, und es kann auch ein Kampf mit der Einsamkeit sein. Aber ist es nicht ein wesentlicher Punkt im Budo, die Fähigkeit auszubilden, sich immer auf den Anfängergeist besinnen zu können?

© übersetzt von Ichiro Murata und Dr. Peter Nawrot, 02/2013