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Der Meister des traditionellen japanischen Bujutsu, Shihan Kenji Shimizu, kommt nach Novisad

Kawaraban Nr. 64 (Auszug)

12/2005

(die Herausgeber)

Aus Serbien-Montenegro (ehemals Jugoslawien), das im letzten Sommer eine Station der Lehrgangsorte von Shimizu Sensei in Europa war, erreichte kürzlich die Herausgeber des Kawaraban eine Zeitung desselben Landes, die darüber berichtet hatte. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ausländische Medien die Lehrgänge von Shimizu Sensei zum Thema haben, und Milan F. (26 Jahre, 2. Dan) der die Übersetzung übernommen hat, kommentierte, daß es ein "sehr guter Artikel mit leicht verständlichem Inhalt sei". Weil dieser Artikel wegen des Interviews mit Shimizu Sensei über seine Gedanken zum Japanischen Budo bis zu der bürgerkriegsabhängigen Trainingssituation äußerst lehrreich ist, veröffentlichen wir ihn an dieser Stelle.

Kürzlich fand mit der Unterstützung des Tendoryu Clubs Novisad ein internationaler Tendoryu Aikido Lehrgang statt, der sich über mehrere Tage erstreckte. In Novisad versammelten sich Aikidoka aus den 12 Tendoryu Clubs aus ganz Serbien-Montenegro, und auch dieses Jahr übernahm Sensei Shimizu aus Japan, der einer der Meister dieser traditionellen Budo-Kunst ist, die Leitung. Genauso wie im vorletzten Jahr wurde der diesjährige Lehrgang vom jugoslawischen Tendoryu Verband organisiert. Jeder einzelne der aus allen Landesteilen gekommenen etwa 70 Aikidoka zeigte in der Sporthalle der Sportuniversität Novisad ein reges Interesse am Aikido.

Shimizu Sensei begann mit der Vorführung von Techniken, verband das mit Ratschlägen traditioneller japanischer Weisheit und als Meister, und erklärte nicht nur die Bewegungen des Aikido sondern auch die Denkweise, die ein Bujutsuka zeigen sollte.

Aikido ist eine Budo-Kunst, deren Vorläufer sich in Japan in der Zeit der früheren Samurai entwickelt haben. Und man kann ohne Einschränkung sagen, daß das Aikido, dessen Vorläufer sich von jenem Zeitalter bis zur heutigen Zeit erstrecken, zu einem einzigartigen Teil der japanischen Kultur geworden ist. Die Persönlichkeit, die aus mehreren Kampfkünste, die sich bis zum Ende des 2. Weltkriegs entwickelt hatten, in einer einzigen Budo-Kunst zusammenfaßte und ihr den Namen Aikido gab, war der sogenannte Morihei Ueshiba.

Morihei Ueshiba ist der Gründer des Aikido, und es wird gesagt, daß er der letzte Bujutsuka war, der die Weisheit des Bujutsu besaß. Shimzu Sensei ist der letzte und meistgeschätzte Uchi-deshi des Gründers Ueshiba.

Mit zunehmendem Alter erhöht sich das Verständnis

Shimizu: "Das Bewegen des Körpers erfolgt nicht nur mit der Körperkraft sondern auch mit Ki. Das Ki erfüllt den Körper am vollständigsten, wenn man die 60 Jahre überschritten hat, und ich kann diese Worte, die Ueshiba Sensei immer gesagt hat, nicht vergessen. Die Dinge, die Ueshiba Sensei gesagt hat, unterrichte ich auch meinen eigenen Schülern. Als ich noch jünger war, konnte ich die Dinge, die Ueshiba Sensei gesagt hatte, kaum verstehen, aber jetzt werden sie mir allmählich verständlicher. Weil im Aikido der Körper durch das Ki bewegt wird, kann man auch dann mit Aikido fortfahren, wenn man älter wird und nur noch wenig Körperkraft besitzt. Und das liegt daran, daß das Ki und vermutlich auch die Willenskraft unendlich sind."

Shimizu Sensei unterrichtet seit 1970 in seinem Tendoryu Dojo inländische und ausländische Schüler auf traditionelle Weise im Aikido. Und es sieht so aus, als ob heutzutage traditionelle Dojos wie der Tendokan kaum noch zu finden sind. Weil Aikido eine Budo-Kunst ist, die auf der Wiederholung im Training basiert und keinen Wettkampf kennt, ist das fortgesetzte fleißige und entspannte Training die erste Stufe, sagt Shimizu Sensei. Durch langjähriges derartiges Training können die Kraft der Kontinuität und die Geisteskraft gestärkt werden.

Ich mache mir keine Sorgen um Serbiens Zukunft

Im Aikido ist die Kraft des Geistes die wichtigste Sache. Selbst wenn Menschen noch so viel Körperkraft besitzen, wenn es an geistiger Stärke mangelt, wird sich die Körperkraft leider als nutzlos erweisen. Im Aikido sind auch die zwei Elemente Mut und Bereitschaft von größter Wichtigkeit, und es scheint so, als wäre der größte Fortschritt eine natürliche Bewegung. Und Shimizu Sensei sagt uns, daß wir, bis wir uns natürlich bewegen können, mit großer Ausdauer eifrig trainieren müssen.

Weil Aikido gefährliche Techniken beinhaltet, die die früheren Samurai angewendet hatten, gibt es im Aikido keinen Wettkampf. Wie weit ein Aikidoka fortgeschritten ist, kann man an der Menschlichkeit und an der Exaktheit der Technik erkennen. Bis 1989 kam Shimizu Sensei häufig zu Lehrgängen nach Europa und in das ehemalige Jugoslawien. Und er meint, daß man erkennen kann, daß im Zeitraum des 9-jährigen Bürgerkrieges und der Jahre danach das Niveau des jugoslawischen Aikido gefallen ist.

Shimizu: "Man kann erkennen, daß sich wegen des Krieges die Lebensbedingungen im Lande so wie auch das Aikido bedauerlicherweise verschlechtert haben. Jedoch besitzen die Menschen dieser Gegend mehr als die übrigen Völker Europas eine starke Willenskraft, und ich fühle eine frische Aufgeschlossenheit. Deshalb glaube ich, daß man sich wegen des Aikidos in diesem Land in der Zukunft keine Sorgen machen muß."

© übersetzt von Peter Nawrot 01/2006