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Die Bestimmung

Kawaraban Nr. 48

10/2001

von Kenji Shimizu

Man sagt, dass die derzeitige Weltbevölkerung etwa 6 Milliarden Menschen beträgt, und diese 6 Milliarden Menschen unterscheiden sich alle bezüglich ihrer Gesichter, Gestalt und ihrer geistigen Haltung. Ist es nicht wunderbar, wenn man darüber nachdenkt, dass man selbst einer von ihnen ist. Da liegt es auf der Hand zu hoffen, das das Ich, dem auf wundersame Art und Weise Leben geschenkt wurde und das es bis hierher geschafft hat, sich anstrengt, das zu machen, was nur Es machen kann.

Jedoch folgen nicht alle Menschen ihrer Bestimmung, es gibt viel Unglück. Gerade deshalb ist es notwendig, sich anzustrengen und etwas zu wagen, wenn sich nur irgendwie eine Möglichkeit eröffnet. Der im Mai verstorbene Professor Kamata Shigeo (emeritierter Professor, Tōkyō Universität) hatte mir einmal gesagt: „Tätigkeiten wie die Ihre werden in Zukunft wohl zur geistigen Strömung werden.“ Und ich erinnere mich, dass er weiterhin betonte, dass das 21. Jahrhundert zum „Jahrhundert des Geistes“ werden wird.

In diesem Sommer fand in München im Rahmen des 40-jährigen Jubiläums der Deutsch-Japanischen Gesellschaft eine Vorführung statt, und jedes Mal, wenn ich eine Technik präsentiert hatte, wurde ich von den zahlreichen Zuschauern (etwa 800 Menschen), den in Deutschland lebenden Japanern und den Deutschen, mit überwältigendem Beifall überschüttet. Dem natürlichen Rhythmus folgend („Wahrhaftigkeit’), war das Zusammenspiel, das durch die geistige Übereinstimmung von Vorführenden und Zuschauern entstand, sehr gut, und ich fühlte genauso, wie es Professor Kamata beschrieben hatte. Rückblickend, jetzt in meinem Alter beginne ich zu merken, dass Aikido meine Bestimmung ist.

Von nun an will ich die neue geistige Strömung beginnen lassen. Es ist bereits entschieden, dass ich im nächsten Frühjahr ausser nach Deutschland auch nach Jugoslawien zum Unterrichten fahren werde. Als ich das letzte Mal (vor 3 Jahren) in Jugoslawien war, fuhr ich gleich direkt vom Flughafen in ein Fernsehstudio, wo ich in einer Direktübertragung ein Interview gab. Das Interview began mit der Frage nach meinem Eindruck, wie sich Jugoslawien, das in einem Bürgerkrieg steckt, von meinem ersten Besuch bis jetzt verändert hat. Und was das Hauptthema Aikidō betraf, so zeigten sie ein starkes Interesse an Budō, das einen Teil der traditionellen japanischen Kultur darstellt. Und sie vermittelten mir den Eindruck, über die Philosophie der japanischen ‚Samurai’ lernen zu wollen. Das mag auch am Einfluss der Filme des Regisseurs Kurosawa Akira liegen. Welcher Grund es auch sein mag, Ausländer besitzen ein Interesse an der Kultur Japans.

Genau deshalb bin ich stolz, Japaner zu sein. Ich unterrichte und möchte zu der Verbreitung des Aikidō beitragen. Mit der Fortführung meiner Bemühungen erfülle ich meine Bestimmung.

© übersetzt von Birgit Lauenstein und Peter Nawrot 10/2003