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Die Renaissance der Japaner

Kawaraban Nr. 59

09/2004

von Kenji Shimizu

Konrad Lorenz, der den Nobelpreis auf dem Gebiet der Verhaltensforschung erhielt, sagt: „Die Menschen können durch das Kennenlernen von körperlichen Schmerzen in jungen Jahren ihr Stammhirn trainieren. Je stärker das Stammhirn ist, desto eher wird man ein erfülltes, glückliches Leben verbringen. Diejenigen, die in der Kindheit keine körperlichen Schmerzen erfahren haben, werden als Erwachsene unvermeidlich unglücklich werden.“

Ich gehöre zu denen, die dem zustimmen.

Da die Menschen dazu tendieren, entweder kopflastig oder körperlastig zu sein, sagt man, dass eine Ausbildung sowohl in den literarischen wie den militärischen Künsten notwendig ist. Auch die Menschen in der Vergangenheit waren sich der gleichen Dinge wie Konrad Lorenz bewusst. Ausserdem berichten die heutigen Gehirnforscher, dass die sympathischen Nervenleitungen, die sich im Unterleib und in der Hüftgegend befinden, vom Geist aus äusserst starke Reize empfangen. Von diesem Gedanken ausgehend, dass sich der Geist im Bauch befindet, glaube ich auch, Seppuku verstehen zu können.

Jetzt, wo die Japanische Wirtschaft erstmals im ganzen Land ausgereift ist, sollten wir da nicht noch einmal mehr von der seelischen und geistigen Haltung der Menschen der Vergangenheit lernen.

Taiwans Altpräsident, Lee Too Ki, hat auf folgendes hingewiesen: „Im heutigen Japan stehen keine Wertvorstellungen, bzw. Philosophien zu Verfügung, die über das Wirtschaftliche hinausgehen, sodass die Japaner, wenn sich die Wirtschaft verschlechtert, in allem ihr Selbstvertrauen verlieren“. Sicherlich sollten wir jetzt einmal diese bittere Pille schlucken. Auf dem Höhepunkt der Bubble-Zeit hat man absichtlich den Schmerz, den man eigentlich hätte spüren müssen, vermieden, da man sich in den letzten Tagen des Hinterher-Rennens hinter dem Millionärsprinzip befand. Ich erinnere mich an unzählige Male, in denen Deutsche die Japaner gelobt haben, die etwas so wunderbares besässen, wie ihre reichhaltige Kultur, die durch andere Länder unübertroffen ist. So möchte ich lieber von der `Renaissance der Japaner`, als von der ` Renaissance Japans` sprechen.

Nun, die olympischen Spiele in Athen sind beendet. Die Interviews mit den Wettkämpfern waren recht erfrischend. Die meisten von ihnen sprachen von der Gemütsverfassung vor dem Wettkampf und dass es noch nie so wichtig war wie diesmal, der geistigen Seite Priorität einzuräumen.

Zwar wird der Begriff Ki im Aikido häufig verwendet, doch kann man ihn in den vielfältigsten Bereichen anwenden. Insbesonders vermag das Ki (mochi) den Körper mitzuziehen, d.h. das Ki kontrolliert den Körper. Wir finden `Ki` durchaus bei Anlässen wie der Herausforderung bis zum Limit der Athleten aus aller Welt, sowie bei der Überwindung des teuflischen Drucks. Diesen Punkt konnte man ganz deutlich auch aus den Worten der Olympiakämpfer heraushören.  Wir alle möchten, dass unsere Ki-Kraft für immer bestehen bleibt. Ki ist grenzenlos.

Ich denke, dass hier der Schlüssel zur ‚ Renaissance der Japaner’ zu finden ist.

© übersetzt von Birgit Lauenstein und Peter Nawrot 10/2004