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Erinnerungen an Zen-Meister Daiki

Kawaraban Nr. 85

10/2011

von Sensei Kenji Shimizu

Vor einigen Tagen erfuhren wir von Watanabe Shihan, daß in der letzten Zeitungsausgabe über den Zen-Meister Tachibana Daiki, der das Kakejiku (Rollhängebild), das im Shomen (an der Stirnseite) unseres Dojos hängt, gemalt hatte, berichtet wurde. Darin ging es um eine erlesene Tea-Party im Jahre 1975. „Wegen solcher Menschen fehlt uns das Gefühl des Herzens, sie sind zu materialistisch, und es ist ihre Pflicht, das wieder ins Lot zu bringen“ kritisierte die Autorität in der buddhistischen Welt aus dem Daitokuji (Kyoto), der verstorbene Zen-Meister Tachibana Daiki, persönlich den damals anwesenden Herrn Konosuke Matsushita (dem Begründer von Panasonic). Obwohl anscheinend eine gespannte Stimmung entstand, soll Herr Matsushita sein freundliches Lächeln behalten und sehr nachdenklich ausgesehen haben. Diese Episode hat der ebenfalls anwesende damalige Direktor des Hakuhoudo (eine Werbeagentur), Michitaka Kondo, aus seinem Buch ‚Cha no yu gatari, ningen gatari ’ (‚Erzählungen über die Tee-Zeremonie, Erzählungen von Menschen’) zitiert. Etwa 4 Jahre danach wurde (von Herrn Matsushita) die Privatschule Matsushita Seikei Jyuku (The Matsushita Institute of Government and Management) gegründet.

Zen-Meister Daikis Vorwurf: „Das Gefühl des Herzens fehlt” gilt heute noch immer unverändert. Als ich 1987 von einer gewissen Persönlichkeit dem Zen-Meister Daiki vorgestellt wurde, war ich Teil einer kleinen Gruppe, die seinen Reden beiwohnen konnten. Diese Gruppe heißt Fukudakai (Fukuda-Gruppe), weil sie sich im japanischen Restaurant ‚Fukuda Ya’ in Kioichou (Tokyo) getroffen hat, und dort fand einmal monatlich ein Vortrag im Wesentlichen über Zen statt (etwa eine Stunde lang), aber es blieb nicht dabei, der sehr vielseitige Priester Daiki faszinierte uns mit weitgefaßten Reden. Er war zu jener Zeit 84 Jahre alt.

Eines Tages gingen wir nach dem Fukudakai Treffen in einen privaten Raum, und wir konnten in einer Dreiergruppe zusammen mit demjenigen, der mich vorgestellt hatte, mit Zen-Meister Daiki sprechen. Innerhalb dieser Gespräche wurde ich gefragt: „Was machen Sie beruflich?“, und ich berichtete über Aikido. Danach entwickelte sich das Gespräch weiter bis zu der japanischen Strategie der nicht-agressiven nationalen Sicherheitspolitik. Und als wir darüber sprachen, daß Japan von selbst andere nicht angreift, sondern erst dann, wenn es selbst angegriffen wurde, militärische Mittel einsetzt, um das eigene Territorium zu verteidigen, sagte der Zen-Meister, daß Japan doch im Rahmen seiner Strategie der nicht-agressiven Verteidigung nichts ausrichten könnte, denn wenn der Gegner auch mit Raketen angreifen würde, müßte Japan, um diese Raketen abzufangen und zu vernichten, überlegene Raketentechnologien entwickeln. Er sagte, wenn Japan die eigene Technologie nutzen würde, so würde das ausreichen. Es wird gesagt, daß auch der ehemalige Premierminister, Herr Fukuda Takeo, der bei seiner Politik nicht weiter wußte, sich bei ihm Rat geholt hat.

Die Unterhaltung kam zum Ende, und an diesem Ort nahm Zen-Meister Daiki langsam einen Pinsel und malte eigenhändig die Tendo-Zeichen. ‚Tendo’ ist der Ortsname meines Heimatortes, wo ich geboren und aufgewachsen bin.

© übersetzt von Ichiro Murata und Dr. Peter Nawrot 11/2011