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Feedback

Kawaraban Nr. 57

01/2004

von Kenji Shimizu

Katsu Kaishū (1823-1899) soll den Charakter von Saigō Takamori als ‚ein Mann wie eine Trommel’ beschrieben haben. Wenn man sie schlägt, kommt ein dem entsprechender Ton zurück. Was soviel bedeutet wie ein Mann, der eine Reaktion zeigt. Er war wohl ein würdiger Charakter des Zeitalters, das sich von den letzten Tagen des Tokugawa Shogunats bis zur Meiji-Restauration erstreckte. Doch wie sieht es im heutigen Japan dem gegenüber aus? Symbolisch dafür steht die Bedeutungslosigkeit der Anfragen im Parlament anlässlich des Einsatzes der Selbstverteidigungsstreitkräfte im Irak.

Genauso ist auch im Aikido das Feedback von grosser Bedeutung. Es handelt sich um ein Budo, bei dem kein Wettkampf stattfindet; beide, Shite (derjenige, der die Technik ausführt) und Uke (derjenige, bei dem die Technik angesetzt wird), können leicht der Versuchung von Absprachen erliegen. Wenn der Uke schon, bevor eine Technik angesetzt wird, nach eigenem Gutdünken eine Position des Fallens einnimmt, bekommt Shite kein Feedback, und genau das ist eine leere Technik. Es passiert nicht selten im Aikido, dass auch unter den Danträgern Techniken automatisch ablaufen.

Es gibt die vielfältigsten Arten von Aikido-Techniken wie ’Würfe (Nagewaza)’, ‚Hebeltechniken (Kimewaza)’, ‚Haltetechniken (Osaewaza)’, ‚Atemi’ etc. Um Wettkämpfe durchführen zu können, kam man nicht umhin, überaus wirkungsvolle Techniken, die von alters her überliefert worden waren, herauszunehmen. Und das liegt darin begründet, dass überlegene Techniken auch sehr gefährliche Techniken sind. Wenn man z.B. am Gelenk gekonnt eine spezielle Hebeltechnik ansetzt, kann man einen grossen Mann kontrollieren, sodass er sich nicht mehr befreien kann. Aus diesem Grund betreiben wir keinen Wettkampf, sondern konzentrieren uns auf das gegenseitige Training, bei dem wir die Techniken wiederholt üben. Folglich ist es von grösster Wichtigkeit, dass Uke beim Fallen so reagiert, dass eine Fallübung ein Feedback auf Shite ist. Der Begründer des Aikido hat uns Uchideshis dieses mit Strenge beigebracht. Dadurch lernt der Uke im Laufe der Zeit sich mit der Technik des Shite durch ausgezeichnetes Atmen und Taisabaki zu verbinden.

Wir müssen uns durch und durch natürlich bewegen, so wie sich ein Bambushalm der Windstärke anpasst. Das wird sich dann, wenn wir Shite sind, in unserer Technik zeigen. Wir werden leer, `lesen` die Absicht des Gegners, werden eins mit dem Gegner und bewegen uns auf natürliche Art und Weise. Und hier begegnen wir der Philosophie des Aikido, die ein Weg des Zen ist.

Wenn man einen gründlichen Blick auf die heutige Gesellschaft wirft, wie z.B. die gewalttätigen Volljährigkeitsfeiern, so werden bloss unangenehme Dinge sichtbar. Die Gesellschaft wird durch Menschen geformt. Deshalb müssen wir zuerst einmal zu Menschen werden, die ein Feedback auf das Verhalten ihrer Mitmenschen geben. Doch dafür benötigen wir den Mut, uns selbst aufzugeben. Anders als Wissen und Weisheit können wir uns Mut nicht von anderen Menschen leihen. Folglich müssen wir uns selbst trainieren. Zum Beginn des Neuen Jahres sage ich diese Dinge auch zu mir selbst.

© übersetzt von Birgit Lauenstein und Peter Nawrot 02/2004