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Mein Sohn wird Uchi-Deshi

Kawaraban Nr. 66

05/2006

vom Leiter des Tendokan, Kenji Shimizu

Mein Sohn Kenta ist offiziell Uchi-Deshi geworden. Seit langem ist es sein Wunsch gewesen, aber ich hatte nicht daran geglaubt, daß er es ernsthaft erwägen würde. Falls seine Absicht aber ernsthaft ist, dachte ich, ihn für etwa 2 Jahre ins Ausland zu schicken, damit er die Härten des Lebens wirklich kennenlernt. Als ich ihm das mitteilte, sagte er: „Ich möchte lieber an der Seite meines Vaters hart und streng trainieren“. Der Grund ist wohl, daß ich nicht mehr jung bin und er die jetzige günstige Gelegenheit nicht versäumen wollte. Ich war mir eigentlich nicht ganz sicher, ob ich mich über seine Entscheidung freuen sollte, aber gleichzeitig wollte ich meinen Sohn loben, der mit ernsthaftem Blick auf seine innersten Gedanken sprach. Aber zu diesem Zeitpunkt beendete ich das Gespräch nur mit „Ach so“.

Ich habe zu meiner Zeit als Uchi-Deshi beim Begründer des Aikido, dem verehrten Ueshiba Morihei, oft die Worte “Dank Shimizu scheine ich mich wieder jung zu fühlen” gehört. Das war als ich häufig vom Begründer geworfen wurde, und ich denke, daß auch ich einem täglichen harten Training unterworfen wurde, um mich durchzubeißen.

Der damaligen Dojo-Vorsteher, Sensei Osawa Kisaburo, der schon ein älterer Schüler war, hat mir das ebenfalls so gesagt. Sie mußten ständig aufmerksam sein, weil irgendeine zur Eile antreibende Energie existierte. Jedenfalls ging das Training weiter, und es war so, als wäre ich in eine Waschmaschine geworfen worden.

Mein Sohn hat seit seiner Grundschulzeit kontinuierlich am Training teilgenommen, aber um als Profi weiterzuwachsen, beginnt alles erst von jetzt an. Es wird gesagt, Budo ist das Training von Körper und Geist, und die Art und Weise des Zusammenwirkens von Technik und Geist ist ganz wesentlich. Besonders im Aikido trainieren wir die Ki-Kraft, und wir streben nach der ganzen Fülle der Ki-Kraft. Im Budo – auch wenn die Technik gut beherrscht wird – wird es sich erst im Ernstfall entscheiden, ob innere Werte vorhanden sind. Darum ist es wichtig, daß man im Ernstfall ein besonnenes Urteil fällen kann, und deshalb sollten wir Tag und Nacht trainieren.

Mein Sohn hat mir seine Bereitschaft erklärt, doch es bestehen persönliche Umstände, und zunächst wünsche ich mir, daß im Dojo ein neuer, frischer Wind weht. Menschen müssen Fortschritte machen. Wenn alles beim Alten bleibt, ist eine Führungskraft nicht qualifiziert. Die Lehrer müssen bereit sein, im Dojo immer Frische bewahren zu wollen. Und ich habe den Wunsch, daß er sich so gut entwickelt, als könnte seine Kraft mich verjüngen.

© übersetzt von Ichiro Murata und Peter Nawrot 07/2006