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Reich an Lebensenergie

Kawaraban Nr. 15

07/1993

von Kenji Shimizu

Zu der Zeit als ich von Meister Morihei Ueshiba ausgebildet wurde, pflegte er oft zu sagen: „ Erst wenn man die Sechzig überschritten hat, zeigt sich die wahre, menschliche Lebenskraft in ihrer Fülle“.

Ich, der ich jetzt auch etwas über Fünfzig bin, erinnere mich in letzter Zeit häufig an diese Worte. Damals habe ich angenommen, dass O-Sensei sich selbst damit ermahnen wollte, doch jetzt ist mir die Bedeutung mit einem Schlag klargeworden.

Solange der Körper noch jung ist, verstehen die Menschen die wirkliche Bedeutung der Lebenskraft ( Ki-Kraft ) nicht. Aber mit dem Schwächerwerden des Körpers beginnen sie das Geheimnis der Ki-Kraft zu spüren. Die meisten Leute können bis zu einem Alter von Fünfzig ihre Gesundheit erhalten, ohne sich sehr um ihren Körper zu kümmern. Aber danach kommt der entscheidende Moment. Man macht verschiedene Erfahrungen, quält sich, denkt darüber nach, und daraus sollte das wahre Selbst erwachsen. Die Leute aber, denen es an Ki-Kraft mangelt, werden Stress aufbauen und mit ihrem Körper zusammen schwächer werden.

Aber nach O-Sensei kann man sich vorstellen, daß der Reichtum an Ki-Kraft abhängig davon gebildet wird, wie der gesamte Zeitraum von sechzig Lebensjahren als Nahrung gedient und vom Zentrum im Bauch ( Seika-tanden ) aufgesaugt und vereinigt wurde.

Wenn man Aikido über viele Jahre hinweg betreibt, wird man den Gebrauch und die Wirkung von Ki verstehen lernen.

Im allgemeinen ist es für Menschen überaus wichtig, sich stets mit irgendeiner Sache ernsthaft zu beschäftigen. Wenn zum Beispiel etwas Lebensbedrohliches auftaucht, wird das Stammhirn, das im hinteren Teil des Hirns liegt, gereizt. Dieses Hirn, das in gewöhnlichen Situationen an Bedeutung verloren hat, sowie verschiedene Muskelzellen werden daraufhin alle gleichzeitig aktiviert, was noch mehr Ki freisetzt und das Leben reinigt.

Wie die Leser bereits wissen, ruhen die inneren Organe des menschlichen Körpers nicht einen Augenblick, sondern arbeiten ununterbrochen, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Nur unerwartet wenig Leute wissen, daß Ki einen großen Einfluß auf die inneren Organe hat. Gemäss dem alten Spruch: „ Krank zu sein, heisst ohne Ki zu sein“, bin ich fest davon überzeugt, dass wir uns durch irgendetwas trainieren müssen, um unsere Ki-Kraft zu entwickeln, damit wir nicht krank werden.

© übersetzt von Birgit Lauenstein und Peter Nawrot 01/2003

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