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Schaffung von Individualität

Kawaraban Nr. 39

08/1999

von Kenji Shimizu

Im Juli diesen Jahres, ein Jahr nach meiner Operation, bin ich zum Unterrichten nach Deutschland gefahren. Ich konnte auch mit meinen Kameraden, die sich wegen meiner Knieoperation Sorgen gemacht hatten, viele Gespräche führen. Die Leute vom Tendōryu-Aikidō stehen mir so nahe, dass ich wusste, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauchte, selbst wenn ich mit leeren Händen käme. Vor 20 Jahren bin ich das erste Mal nach Deutschland gefahren, und seit dieser Zeit hat sich mit den Jahren der Austausch intensiviert, was sehr schön ist. Ich hatte mich auch darüber gefreut zu hören, dass sich meine Bewegungen im Vergleich zu vor der Operation sehr verbessert haben.

Auch dieses Mal musste ich wieder meinen Hut vor dem Enthusiasmus der Schüler, die teilgenommen hatten, ziehen. Sie kamen natürlich aus dem deutschen Inland, aus dem entfernten Amerika, Mexiko, Slovenien und anderen nicht westeuropäischen Ländern. Zur gleichen Zeit hatte ich mir geschworen, die Funktionstüchtigkeit meiner Knie schnell wieder vollständig herzustellen.

Der Lehrgang war in eine erste und eine zweite Woche unterteilt, und dieTeilnehmner waren jeweils verschieden. Als es in die zweite Woche ging, fühlten sich meine Beine, wie zu erwarten war, etwas seltsam an. Der Grund denke ich lag in der fehlenden Ruhephase nach der Operation, was eine Überanstrengung der Muskeln zufolge hatte und in der Schonung des linken Knies, das als nächstes operiert werden soll. Doch es war nicht so schlimm. Und da sich unter den Teilnehmern ein Anästhesie-Spezialist und eine Chirurgin befanden, konnte ich unbesorgt unterrichten.

Ich habe nach dem Ende der Lehrgänge dieses Mal ganz besonders gespürt, dass die Menschen hier eine starke Individualität besitzen und sich selbst treu bleiben. Wer Leiden nicht fürchtet, ist ein Mensch, der hart kämpfen kann. Das zeigt sich im Training. Neben der einmaligen Entscheidung an einem Training teilzunehmen, das von Härten und Schmerzen begleitet wird, kann man eine Beharrlichkeit erkennen, Befriedigung durch das Training zu erlangen. Hier zeigen sich die Auswirkungen der 20 Jahre. Wenn Japaner vom ‚Japanischen Geist’ oder vom ‚Geist des Bushidō’ sprechen, tarnen sie ihr geringes Durchhaltevermögen mit Worten. Sie bluffen. Ich betone im Unterricht wenn ich den Schülern gegenüberstehe, dass sie sich die Einheit von Körper und Geist durch die Techniken aneignen sollen, weil ich selbst ein Japaner sein möchte, der den Stolz und die Einsamkeit des Samuraigeistes nicht vergessen will.

© übersetzt von Birgit Lauenstein und Peter Nawrot 05/2003