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Was wir nicht vergessen sollten

Kawaraban Nr. 73

01/2008

vom Leiter des Tendokan, Kenji Shimizu

Heutzutage bei der weit fortgeschrittenen Internationalisierung ist auch für die Japaner ein Persönlichkeitstraining notwendig geworden, das dem Entwicklungsfluß der Welt angemessen ist. Aber ist es fraglich, ob das japanische Erziehungssystem diesen Ansprüchen genügen kann.

Es ist klar zu erkennen, daß es wohl in naher Zukunft Schwierigkeiten geben wird, wenn wir so weitermachen. Den Kindern, die beim Aufwachsen nur ausschließlich mit dem Kopf lernen, fehlt der körperliche Ausgleich, und sie werden sich häufig zu gefühllosen Menschen entwickeln. Die Nervenbahnen erstrecken sich über den ganzen Körper, und wenn wir nur großen Wert auf den Kopf legen und den Körper vernachlässigen, wird die Reizübertragung nicht bis zu den Extremitäten reichen, der Kopf wird leer laufen und das wird zu einem egoistischem körperlichen Verhalten führen. Es ist notwendig, daß Menschen im Kindesalter beim Spielen den Körper bewußt benutzen. In der letzten Ausgabe des ‚Kawaraban’ habe ich geschrieben, daß sich auch eine gewisse Intelligenz im Unterleib bzw. der Hüfte befindet und daß damit die geistige Tätigkeit sehr stark stimuliert wird. Die Nervenbahnen durchziehen den Körper bis in den kleinsten Teil, dadurch bleiben Körper und Geist im Gleichgewicht, und die menschliche Kommunikation und auch das spontane natürliche Verhalten werden positiv beeinflußt.

Heutzutage suchen wir die richtige Erziehungsweise. Ich denke, daß wir der Bildung und dem persönlichen Mut der Menschen besondere Bedeutung beimessen müssen, und das läßt sich nicht allein durch die Menge an Wissen ausdrücken, sondern Dinge wie Wahrheit, guter Wille und Schönheitssinn spielen eine wesentliche Rolle. Die Japaner in früheren Zeiten kannten den Begriff von ‚Fähigkeiten sowohl in literarischen als auch in kriegerischen Künsten’, und man konnte sagen, daß sie von wichtigen ausländischen Persönlichkeiten geachtet wurden, weil sie Wissen und Körper und Geist in gleicher Weise trainiert hatten.

Das Japan der Meiji-Zeit wurde nie kolonisiert, und es wird berichtet, daß die Modernisierung stattfinden konnte, weil die Japaner jener Tage eine starke Willenskraft und emotionale Stärke besaßen. Obgleich die Japaner in früherer Zeit kleiner an Gestalt waren, wirkten sie majestätisch und besaßen eine fundierte Lebensphilosophie, die durch ihre Willenskraft unterstützt wurde.

Und das ist wohl der Grund für den Respekt, den uns ausländische Staaten entgegenbringen. Das japanische Bushido wird auch als ‚Ästhetik des Verhaltens’ bezeichnet, und der Geist der Samurai wird bis heute im Ausland respektiert und erweckt Interesse. Gerade weil wir Japaner sind, möchte ich, daß dieser Geist nicht in Vergessenheit gerät. Und das ist auch etwas, was in der Erziehung im heutigen Japan erforderlich ist.

© übersetzt von Ichiro Murata und Peter Nawrot 02/2008

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