Skip navigation

Ich habe am Lehrgang auf dem Herzogenhorn teilgenommen

Kawaraban Nr. 44

10/2000

von Kenta Shimizu

(Wakō Oberschule 2. Jahr, 12 Jahre Aikidō)

Ich durfte dieses Jahr vom 26.06. bis zum 08.07. in Deutschland am Lehrgang, der auf dem Herzogenhorn stattfand, teilnehmen. 120 Tendōryu Schüler aus 10 Ländern einschliesslich Japan und Deutschland hatten sich auf dem Herzogenhorn versammelt. Die Gegend, die sich Herzogenhorn nennt, liegt in einem etwa 1,500 m hohen Berggebiet inmitten eines Waldes, dem Schwarzwald. Auch die Herberge lag in den Bergen in einer ausgedehnten wunderschönen Landschaft, und ich bin wiederholt auf die Berge gestiegen.

Bezüglich der Frage, um was für einen Lehrgang es sich handelte, das Folgende: das Training wurde in eine erste und eine zweite Woche unterteilt. Und in jeder Woche nahmen 60 Personen teil. In der Herberge wohnten wir zu zweit auf einem Zimmer, was nicht allzu geräumig war, aber sehr schön. Die Mittagsmahlzeiten waren für jeden einzelnen frei, aber zum Frühstück und zum Abendessen versammelten sich alle Teilnehmer im Speiseraum und speisten mit viel Geplauder gemeinsam. Was allerdings den Geschmack betraf ... wenn ich ehrlich sein soll, kann ich nicht sagen, dass es besonders geschmeckt hat, aber es waren vergnügliche Stunden.

Täglich gab es zweimal Training, vormittags von 10.00-11.15 Uhr und nachmittags von 16.00-17.15 Uhr. Das sollte zwei Wochen lang so fortdauern, und ich möchte erst einmal erwähnen, dass es mich wirklich erschöpft hat. Zum Abschluss eines solchen Tages fühlte ich ein jedes Mal die Zufriedenheit, etwas erreicht zu haben. Abends hatten alle freie Zeit, man konnte Fussball sehen, Tischtennis spielen, sich unterhalten, auf den Berg steigen, Spiele spielen, und wir verbrachten bis spät abends vergnügliche Stunden.

Warum wollte ich unbedingt an diesem Lehrgang teilnehmen? Nun dass ich mein Aikido weiter verbessern wollte, liegt auf der Hand, aber ausserdem, ich kann es zwar nicht konkret sagen, fühlte ich Zweifel bezüglich meines bisheringen Lebens.

Irgendwie hatte ich gedacht, dass ich durch die Reise nach Deutschland , indem ich mich einer ganz anderen Umgebung als der bisherigen aussetze, irgendetwas herausfinden würde.

So glaube ich, dass ich mich merkwürdigerweise nicht selbst in die Enge trieb.

Gewiss, wenn ich jetzt darüber nachdenke, habe ich zwei Wochen Schule (darüber hinaus auch die Semesterendprüfungen) versäumt, weil ich nach Deutschland gefahren bin, aber hatte ich nicht im Guten wie im Schlechten ein aussergewöhnliches Erlebnis ? Und weil die Ausländer, die zum Training in den Tendōkan kamen, alle sympatisch waren und ich mich mit ihnen angefreundet hatte, kann ich zwar nicht sagen, dass ich keine Angst hatte, doch ich wundere mich, wie überauss natürlich mir meine Reise nach Deutschland vorkam.

Aber ich habe offen gestanden bemerkt, dass ich, weil ich vom Tendōkan aus Japan kam und ausserdem auch wegen anderer Dinge, Aufmerksamkeit erregt habe. Um nicht eine Schande für den Tendokan zu werden, wollte ich unbedingt soviel wie möglich trainieren.

Praktisch war ich ganz ich selbst, habe nichts erzwungen und blieb bei meiner Geschwindigkeit. So bin ich auf dem Weg nicht ausser Atem gekommen und habe bis zum Schluss trainieren können. Und das hat mich ausgesprochen zufrieden gemacht.

Wenn ich jetzt auf meine Gefühle beim Herzogenhorn - Lehrgang zurückblicke, kann ich mich gut erinnern, dass mich nach dem Ende der ersten Woche eine Traurigkeit über den Abschied von den Teilnehmern und ein Gefühl des Bedauerns ergriff.

Es war wirklich eine nette Zeit dort, und ich hätte gerne noch über so vieles gesprochen. Meine Englischkenntnisse wie auch mein Kommunikationstalent waren unzureichend, sodass es mir nicht möglich war, ein tiefergehendes Gespräch zu führen, was meine Ungeduld zu Bedauern werden liess. Aber nach und nach änderte sich das Gefühl in eine überraschende Richtung. Ich konnte bei den gemeinsamen Treffen viele Freunde gewinnen. Ich fühlte, dass ich eine bisher unbekannte Welt kennenlernte, die vor mir lag, und dass sich mir plötzlich etwas aufgetan hat.

Es war mir ein lehrreiches Vergnügen, mit Menschen verschiedener Sprachen und Länder über Aikidō, als japanische Kulturgut, in Kontakt treten zu können. Und ich habe das Gefühl entdeckt : „Jetzt beginnt es wirklich“.

Auf diesem Lehrgang in Deutschland habe ich eine neue reizvolle Facette des Aikidō entdeckt.

© übersetzt von Birgit Lauenstein und Peter Nawrot 12/2002