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Mein Vater Kenji Shimizu

Kawaraban Nr. 29

01/1997

von Kenta Shimizu

Es gibt Dinge, die ich häufig gefragt werde, wie “ Hast Du Angst vor Deinem Vater”, oder ”Wie ist Dein Vater zu Hause? ”.

Was für einen Charakter hat mein Vater Kenji Shimizu eigentlich?

Zuerst zu der Frage “Hast Du Angst vor Deinem Vater? “. Sicherlich ist es nicht so, dass ich gar keine Angst vor ihm habe. Um es gleich vorweg zu sagen, er regt sich nicht auf über die Art und Weise, wie man seine Essstäbchen hält oder über den Geschmack der Misosuppe. Aber bei Dummheiten wird er natürlich wütend. Und das ist bei mir wohl meistens der Fall, wenn ich das Aikidōtraining schwänze.

Zur nächsten Frage “Wie ist Dein Vater zu Hause?”. Alle glauben, er sei der tragende Pfosten der Familie und alle würden auf seine Worte hören. Doch zu Hause hat meine Mutter das Sagen. Meistens werden alle Hausarbeiten auf die Anweisung meiner Mutter hin erledigt.

Aber mein Vater (und auch ich) widersetzt sich auch. Dann kommt es zu einem sogenannten Ehestreit. Zuerst greift mein Vater in einem Erstangriff wie ein Maschinengewehr an. Doch wie vorher schon gesagt, ist meine Mutter stärker. Wenn mein Vater wie ein Maschinengewehr ist, so ist meine Mutter wie das neueste Modell der amerikanischen Armee. Die Wucht meines Vaters ist wie ta-ta-ta-ta-ta und die meiner Mutter ....nun, ich glaube es ist schon klar geworden.

Der Streitpunkt in der Hälfte aller Fälle bin wohl allerdings ich.

So sieht also unsere Familienstruktur aus. Wenn ich noch mehr erzähle, wird das Image meines Vaters leiden. Aber es ist wirklich so, wie ich schon mehrfach erwähnte, meine Mutter ist die Stärkere.

1993 bin ich mit meiner Familie nach Europa gefahren. Ich habe die Umstände, unter denen mein Vater in Europa unterrichtet, gesehen und konnte an ihm ganz und gar nichts Negatives finden. Mein Vater wurde von den dortigen Menschen mit herzlicher Gastfreundschaft empfangen, und ich verstand etwas von der Grossartigkeit meines Vaters. Mein Vater ist also doch grossartig. (Um ehrlich zu sein, kommt mein Vater beim Entwurf dieses Aufsatzes hin und wieder vorbei, um zu kontrollieren.)

Zum Schluss will ich etwas über mich schreiben. Als ich auf die Mittelschule (Junior High School) kam, fing ich an, ins allgemeine Erwachsenentraining zu gehen. Und anfänglich dachte ich, wie kann ich nur in so schnell, ohne es zu merken, so schlecht geworden sein? Zu der Zeit des Kindertrainings hatte ich durch ein beinahe zehnjähriges Aikidōtraining die entsprechende Selbstsicherheit. Obendrein war ich als Sechstklässler körperlich der Grösste und konnte alleine mit Kraft die Techniken durchsetzen. Doch im Erwachsenentraining ging das nicht mehr. Ich hatte bis dahin ein Aikidō gemacht, bei dem es nur um das Drehen ging. Klar gesagt, war es ein Schock, da ich mich fragte, ob das alles bis jetzt vergeblich war. Jedoch glaube ich, dass ich, nachdem ich das feststellte, ziemliche Fortschritte gemacht habe. Ich glaube, es gibt ausser mir viele Aikidōka, die ein solches Aikidō betreiben. Es bereitet mir Spass, den Techniken dieser Leute Widerstand zu leisten. Besonders, wenn es sich um Danträger handelt, ist der Lustgewinn ein vielfaches. Jetzt wo ich so denke, ist Aikidō für mich interessant geworden.

© übersetzt von Birgit Lauenstein und Peter Nawrot 04/2003