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Die 3500 km Tour durch Japan

Mit frisch autorisiertem Japan Rail Pass (der nur ausserhalb Japans für die Dauer von einer oder zwei Wochen zu beziehen ist) starteten wir am Montag früh mit dem Shinkansen (Hikari) ab Tokyo Hauptbahnhof.

Der Hikari ist der mittelschnelle Zug; der Nozomi ist schneller, aber nicht im Railpass Preis inbegriffen; der Kodama ist der langsamste und benötigt für die Strecke Tokyo-Osaka vier anstatt zwei Stunden; die Geschwindigkeiten liegen bei allen zwischen 270 und 300km/h, aber die Zahl der Haltestellen ist unterschiedlich; die Zugfrequenz geht hinunter bis auf 5 Minuten, der Aufenthalt an den Stationen ist genau 3 Minuten; jeder der 16 Wagen faßt 100 Passagiere; die Ansagen/Anzeigen sind Japanisch/Englisch und im Süden auch Chinesisch/-Koreanisch – Taiwan und Korea sind nah; Verkaufswagen mit Snacks und Getränken zu moderaten Preisen rollen pausenlos durch die Gänge, oft mit landesteilabhängigen Spezialitäten; Toiletten sind westlich und Japanisch, die Japanischen sind häufig nicht verschließbar, da die Pendeltür den Blick auf Beine und Kopf ermöglicht, d.h. es ist zu erkennen, ob bestanden ist oder nicht).

Wir hatten natürlich im Nichtraucher reserviert, 50% der Wagen sind nicht reserviert, 2-3 sind noch (?) Raucherwagen. In 3 Stunden flitzen wir die 600 km nach Shin-Osaka (Shinkansen Bahnhof von Osaka), dann im nächsten Hikari weitere 600 km bis nach Hakata/Fukuoka auf Kyushu (im Nozomi fährt man/frau ohne Umsteigen durch). Nach kurzer Fahrt (200 km) mit der Normalbahn (man erkennt entlang der Trasse bereits die neue Shinkansentrasse) erreichten wir Yatsushiro, wo wir in den neuesten Shinkansen stiegen, der uns in knapp 30 Minuten zur südlichsten Stadt von Kyushu, Kagoshima, brachte.

Nach einer Nacht im Ryokan auf Kagoshima (-> Zimmersuche in Japan) im Schatten des Sakurajima, dem aktivsten Vulkan Japans, und verschiedenen Gartenbesichtigungstouren (z. B. Senganen) bei einer Affenhitze und hoher Luftfeuchtigkeit machten wir uns dann spät am Abend auf nach Beppu, die Stadt der heißen Bäder (Onsen) (-> Japanische Bäder) auf der Ostseite von Kyushu etwa 200 km entfernt.

Von Beppu ging es dann wieder Richtung Norden auf die Hauptinsel Honshu, und wir erreichten über Hakata und Hiroshima unser Tagesziel, Okayama. Nach einer Nacht im Vergnügungsviertel (kein weiterer Bericht geplant! ...) besichtigten wir Okayama Castle oder die ‚Krähenburg’ (wegen der schwarzen Färbung), die 1597 erbaut, im zweiten Weltkrieg zerstört und 1960 rekonstruiert wurde, und den Japanischen Landschaftsgarten Korakuen, der im 17. Jahrhundert erbaut wurde (-> Japanische Gärten).

In Himeji stiegen wir nur für einen kurzen Halt zur Besichtigung der größten japanischen Burg, Himeji Castle, aus. Der Bau von Himeji Castle begann im 14. Jahrhundert, und die Burg wurde bis zum Bauende in 1609 ständig vergrößt. Sie ist in iher ursprünglichen Form erhalten, da sie – anders als die meisten anderen Burgen – nie durch Krieg, Erdbeben oder Feuer zerstört wurde.

Nach 3 Minuten Halt in Osaka fuhren wir weiter zum letzten Etappeziel nach Kyoto, wo wir die letzten drei Tage blieben. Um die wichtigsten der unzählige Tempel, Schreine und Gärten (-> Japanische Gärten) in Kyoto zu besichtigen, benutzen wir anfangs einen Rundfahrtbus, dann stiegen wir auf Fahrräder um und brausten wie die Einheimischen mit platzheischendem Gebimmel auf den meist breiten Bürgersteigen entlang.

Von Kyoto aus erreichten wir per Tagesausflug Nara (30 Minuten mit der JR), die erste permanente Kaiserstadt aus dem Jahre 710, die allerdings bereits 784 ihren Status an Nagaoka verlor, da die buddhistischen Klöster zu mächtig wurden. Auch hier wimmelt es von Schreien, buddhistischen Tempeln (z.B. der riesige Todaiji mit Japans größter Buddhastatue und der Horyuji mit den weltältesten Holzkonstruktionen) und Gärten.

Im Narapark wimmelt es von freiherumlaufenden und recht agressiv um Futter bettelnden Rehen, die im Schintoglauben als Boten Gottes gesehen werden. Ein heldenhaftes Encounter mit einem störrischen Rehbock mit zum Glück abgestumpften Hörnern mit dem futterlosen oder als Bockkonkurrenten betrachteten Peter wurde bedauerlicherweise vom verschreckten Kameramann (der sich auf das Schlimmste und ein mögliches Eingreifen vorbereitete!) nicht photografisch dokumentiert.

Am Sonntagabend war die Woche verflogen und wir wieder in Tokyo (nach knapp drei Stunden Fahrt von Kyoto). Dank des Railpasses hatten wir überall freie Fahrt mit der JR, einschließlich der Platzreservierungen in allen Zügen (außer Nozomi). Oft kam daher das Gefühl auf, ein privilegierter Luxuspassagier zu sein - so leicht ist ein wenig Glück zu kaufen. Leider verlor der Pass nach einer Woche seine Gültigkeit und wir waren wieder Normalreisende an den Fahrscheinautomaten ...